Landschaftsmaler und andere Kulturschaffende in Ramsau - Hintersee

Paul Weber, Darmstadt

Neben dem Wittelsbacher Herrscherhaus, den Schriftstellern und Naturforschern, gelten die Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts als die wichtigsten Wegbereiter für den damaligen „Fremdenverkehr“ in unserer Region.

Als künstlerischer Entdecker der Ramsau und des Hintersees darf mit Recht Carl Rottmann gelten. Schon als junger Student an der Münchener Akademie kam er 1822 zum ersten Mal in die Ramsau. In den Briefen an seine Braut schildert er begeistert die Naturschönheiten dieses Tales und beschreibt die Ramsauer Originale, welche er beim Portraitieren näher kennengelernt hatte. Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war man auch an den Kunstakademien in Wien, Dresden, Hamburg und Kopenhagen auf die Ramsau aufmerksam geworden. So kamen die Maler nun aus allen Himmelsrichtungen hierher. In dem Buch „Ramsau und Hintersee in der Malerei des 19. Jahrhunderts“ (erhältlich in der Tourist-Information Ramsau) wird die Malergeschichte dokumentiert; im folgenden Artikel erhalten Sie einige wichtige Namen daraus.

In Ergänzung zum 1999 aufgelegten ersten Bildband konnte bereits ein Jahr später der Maler-Rundweg von Ramsau-Hintersee eröffnet werden. Stilisierte Malerstaffeleien an den Wanderwegen wecken die Aufmerksamkeit der Einheimischen und Urlaubsgäste und weisen so auf die Entstehungsorte der künstlerischen Vorstudien für berühmte Landschaftsgemälde hin.

Nachdrucke der Meisterwerke lassen den Betrachter in die Rolle des künstlerischen Wieder-Entdeckers schlüpfen und ermöglichen ihm zugleich den direkten Vergleich mit dem damaligen Motiv. Dass dies in unserer wunderbar erhaltenen Landschaft noch immer möglich ist, bestätigt uns die begeisterte Zustimmung der Ramsauer Urlaubsgäste immer wieder. Zur Zeit sind 26 dieser Staffeleien aufgestellt und vielleicht wird dieses Angebot in der Zukunft noch ergänzt. Ein Ortsplan mit den eingezeichneten Standorten ist in der Tourist-Information Ramsau erhältlich.


Wilhelm Bendz
* 20. März 1804 in Odense
† 14. November 1832 in Vicenza

Wilhelm Bendz, portraitiert von Joseph Petzl 1832 / Wilhelm Bendz – Ramsauer Kirche 1832

Wilhelm Bendz kam 1832 auf seiner Wanderung von München nach Rom nach Ramsau und zum Hintersee. Sein Künstlerfreund Josef Petzl fertigte damals das rasche, aber sehr detaillierte Portrait in Bleistift und Aquarell. Wilhelm Bendz sandte dieses Bild am 22. September 1832 von Berchtesgaden an seine Verlobte in Kopenhagen. Ein tragisches Schicksal ließ ihn weder Rom erreichen, noch seine Liebste wiedersehen. Der talentvolle junge Maler, der auch die Ramsauer Pfarrkirche von Westen gemalt hatte, verstarb schon zwei Monate später in Vicenza an einer Magenentzündung. Er war erst 28 Jahre alt.

Wilhelm Busch
* 15. April 1832 in Wiedensahl
† 9. Januar 1908 in Mechtshausen

Wilhelm Busch, 1859 / Wilhelm Busch, Selbstportrait 1894

Wilhelm Busch wollte eigentlich Maler sein, erhielt aber seine Anerkennung hauptsächlich für seine Karikaturen und Bilderzählungen, darunter seine bekanntesten Figuren Max und Moritz.

Busch reiste im Jahre 1859 mit Münchner Künstlerfreunden u.a. nach Ramsau, wo insgesamt fünf Zeichnungen entstanden, so eine Zeichnung vom Hochgart aus zur Kirche im Ramsauer Tal und ebenso eine Bleistiftzeichnung von den „Pälferhörner“ (Palfenhörnern im Wimbachtal), die im Wilhelm-Busch-Museum in Hannover aufbewahrt werden.


Carl Schuch
* 30. September 1846 in Wien
† 13. September 1903 ebenda

Porträt Carl Schuch von W. Leibl 1876 / Carl Schuch, Bauernhaus am Hintersee 1882

Erstmals 1873 am Hintersee, Treffen mit dem Malerkollegen Karl Hagemeister, dann auch 1882 und 1883 am Hintersee.

Kestner Museum Hannover - Zitat aus der Biographie Hagemeisters über Schuch über eine Bergtour zum Hochkalter im Jahr 1873:

„So sehr sich Schuch als studierender Maler auf die intimen Dinge aus der Gebirgsnatur beschränkte, so sehr freute er sich aber als Naturgenussmensch auf Hochtouren und das frohe Wirtshausleben. Wenn passende Begleiter da waren, unternahm er Bergtouren. Er war mit Joppen und Bergschuhen gut ausgerüstet und ich war immer sein Begleiter. Als Jäger, der ich war, war ich gut zu brauchen auf solchen Touren und stand in nichts den Einheimischen nach. Schuch war sehr ausdauernd, nicht zu ermüden. Es wurden Touren unternommen zum Königssee, zur Wimbachklamm, auf die Reitalm, auf das Kammerlinghorn und auf den Blaueisgletscher im Hochkaltern.
Bei dieser Tour auf den Blaueisgletscher war Schuch in Gefahr abzustürzen. Es war furchtbar heiß beim Abstieg; an einer schmalen Stelle des Saumpfads bildete er sich ein, dass der Schatten eines Gebirgsstocks eine Schlange sei und strauchelte. Ich, der ihm auf den Fersen war, verhinderte den Absturz und so kamen wir glücklich im Gasthaus an.“

Karl Hagemeister
* 12. März 1848 in Werder (Havel)
† 5. August 1933 in Werder

Karl Hagemeister, portraitiert von Carl Schuch, 1876 / Karl Hagemeister, die Mühlsturzhörner 1873

Karl Hagemeister verbrachte im Juli bis September 1873 einige Wochen Aufenthalt am Hintersee, zunächst beim Wörndlbauern und hernach im von ihm bezeichneten „Lahnthaler’schen“ Gasthof, dem späteren Gasthof Auzinger (Babette Auzinger ab dem Jahr 1879), den Landthaler 1862-63 erbaut hatte. Dieser Gasthof war der Ersatz des 1862 durch eine Lawine zerstörten vormaligen Wirtshauses am Hintersee.

Hagemeister war der Biograf von Carl Schuch, den er u.a. bei einer Bergtour zum Blaueisgletscher begleitete und dem er bei einem Ausrutscher bei dieser Tour das Leben rettete.

Er skizzierte und zeichnete am Hintersee, im Zauberwald und auf der Litzlalm, wo er die Mühlsturzhörner und das Kammerlinghorn auf Papier brachte.


Ludwig Ganghofer
* 07.07.1855 Kaufbeuren
† 24.07.1929 Tegernsee

Portrait von Ludwig Ganghofer

Ludwig Ganghofer besuchte 1883 das erste Mal das Berchtesgadener Land und bezog damals mit seiner Familie Quartier am Königssee. Der junge, für Natur und Gebirgsromantik sehr empfängliche, jagdbegeisterte Schriftsteller war vom Königssee und dessen Umgebung derart begeistert, dass er viele immer wieder ins Berchtesgadener Land kam. Er fand Interesse an der Geschichte des Ländchens unter dem Watzmann und das Ergebnis waren sieben mehrbändige Romane, die Berchtesgadens Geschichte von der Gründung des Augustiner Klosters um 1100 bis ins 18. Jahrhundert dichterisch aufarbeiteten. Den Anfang dieser Reihe machte die „Martinsklause“ aus dem Anfang des 12. Jahrhunderts, in zwei Bänden 1894 erschienen. „Das Gotteslehen“ (1899) behandelt das 13. Jahrhundert, gefolgt von dem Buch „Der Klosterjäger“ (1892), das im 14. Jahrhundert spielt. Der nächste Roman ist „Der Ochsenkrieg“ (1914) aus dem 15. Jahrhundert, der sich um den Streit über Almweiderechte im Ramsauer Gebiet, vor allem um die Mordaualm dreht.

Über das 16. Jahrhundert handelt „Das neue Wesen“ (1902), es ist die Zeit der Bauernaufstände. Die Romanreihe bringen zum Abschluss „Der Mann im Salz“ (1906), in der Zeit des schrecklichen Hexenwahns spielend und „das große Jagen“ 1918 fertiggestellt, am Ende des I. Weltkriegs und zwei Jahre vor Ganghofers Tod. Der Inhalt dieses Buches befasst sich mit der Vertreibung der Protestanten aus ihrer Heimat.

Lange vor der Entwicklung touristischer Marketingkonzepte hat der viel gelesene Autor uneigennützig die Reklametrommel für Berchtesgaden und die Nachbarorte gerührt. Dafür ehrte man ihn 1913 mit der Ehrenbürgerwürde, einem Denkmal und einer nach ihm benannten Straße in Berchtesgaden.

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