Die alpine Geschichte Ramsaus und ihre Persönlichkeiten

Nachfolgend erhalten Sie Informationen über die alpine Geschichte des Bergsteigerdorfes Ramsau.


Johann Grill, genannt der Kederbacher
* 22.10.1835 im Kederbachlehen Ramsau
† 14.01.1917

Portrait von Ludwig Ganghofer

Der berühmteste Sohn des Bergsteigerdorfes Ramsau ist zweifelsohne der „Kederbacher“, Johann Grill. Geboren am 22. Oktober 1835 im Kederbachlehen in Ramsau, wurde er nach seinem Bauernanwesen in der Ramsauer Gnotschaft Au benannt, wie das auch heute noch in der Ramsau und im Berchtesgadener Land der Brauch ist.

Wie die meisten Bauernanwesen in Ramsau, so konnte auch das Kederbachlehen allein die Familie nicht ernähren. Der am nördlichen Fuße des Watzmanns lebende Bauernsohn musste sich das tägliche Brot als Kühbub, Holzknecht, Schachtelmacher und Treiber bei den königlichen Hofjagden im Gebirge verdienen. Dort fiel er schon dem königlichen Jagdgast „wegen seiner Gewandtheit im Gebirg“ auf. Bereits mit 17 Jahren bezwang er zusammen mit seinem Nachbarn und Freund Johann Punz, genannt „Preißei“, der später ebenfalls Bergführer wurde, als erster den kleinen Watzmann. Zahlreiche Erstbesteigungen in unserem Gebiet geben Zeugnis vom Tatendrang Kederbachers: Großes und kleines Teufelshorn (mit A. Kaindl) Überschreitung der drei Watzmannspitzen (mit Punz, Kaindl, Berger) Gratüberkletterung von der Hocheisspitze zum Hochkalter Anstieg vom Blaueisgletscher zum Hochkalter (mit Richter).

Seine wohl größte alpinistische Leistung vollbrachte er mit der Erstdurchsteigung der berühmten Watzmann-Ostwand (06. Juni 1881, höchste Wand der Ostalpen mit ca. 1.800 m Wandhöhe), zusammen mit dem Wiener Bergsteiger Otto Schück.

Dem Watzmann, der ja praktisch „seiner Haustüre gegenüberstand“, war der Kederbacher sehr verbunden. Er bestieg ihn unzählige Male, von 1888 bis 1905 war er der Pächter des neuerbauten Watzmannhauses, mit 60 Jahren durchstieg er das letzte Mal „seine Ostwand“ (mit John Percy Farrar) und noch mit 80 Jahren erstieg er das Watzmann-Hocheck. Auch die anderen Berge rings um Ramsau und um den Berchtesgadener Talkessel bestieg der Kederbacher durch seine Führungstouren immer wieder. Bilder von ihm in Berghütten und Almen zeugen von seiner Bekanntheit und Beliebheit in unserer Heimat.

Aber nicht nur in den Ostalpen war der Kederbacher „wie zu Hause“, auch die Westalpen besuchte er mehrmals und auch hier viele bekannte Gipfel mit seinen „Herren“ (Bergtouristen) besteigen. Die bekanntesten davon waren Monte Rosa, Wetterhorn, Jungfrau (jeweils fünf mal), das Matterhorn und Finsteraarhorn (je sechs mal), Weißhorn (acht mal), Eiger (drei mal), Dent Blanche (drei mal), Montblanc (zwei mal), Aiguille Verte usw.

Sein Sohn, genannt „Kederbacher der Jüngere“ unternahm mit ihm viele Bergfahrten und wurde ebenfalls ein sehr angesehener Bergführer (geb.12.07.1862 , gest. 03.12.1917).

Johann Grill, der Kederbacher, starb am 14.01.1917. Viele Einheimische geleiteten ihn zu seiner letzten Ruhestätte auf dem Ramsauer Friedhof.

Zum 100-jährigen Jubiläum der Erstdurchsteigung der Watzmann-Ostwand wurde dem Kederbacher im Juni 1881 von der Gemeinde Ramsau ein Denkmal am Haus des Gastes in Form eines Felsblocks mit Brunnen und obenstehender Bronzeplastik gesetzt.

Aus seinem Tourenbuch:
Mit 17 Jahren (1852) erstieg er mit Johann Punz, genannt „Preißei“ im Laufe einer Treibjagd den kleinen Watzmann.

Erstbesteigungen:
1865 Großes und kleines Palfelhorn (mit Albert Kaindl, Lederwarenhändler aus Linz)
1868 erreichten Kaindl und Pöschl (Wien) mit Berger und Kederbacher die Watzmann-Mittelspitze vom Kar aus.
1868 mit Kaindl und Bergführer Johann Punz (Preißei) Überschreitung aller drei Watzmannspitzen.
1868 Hocheisspitze zum Hochkalter
1874 Anstieg über Blaueis zum Hochkalter mit Eduard Richter
1874 Führungstouren in Zermatt, Grindelwald und Chamonix – Berner und Walliser Alpen Wetterhorn, Schreckhorn, Dom Lyskamm, Matterhorn.
1874 Erstbesteigung Pflerscher Tribulaun mit Hofmann und Winhart
1875 mit Loschge Montblanc und Aiguille Verte, mit Pöschl Jungfrau und Finsteraarhorn.
1877 Erstbesteigung Großer Ödstein im Gesäuse mit Pöschl
1879 Bergfahrten mit L. Purtscheller; mit Dr. Levy und Dr. Jerusalem auf neun Westalpengipfel, u.a. Matterhorn und Montblanc.
1880 Ortlergebiet wieder mit Dr. Levy und Dr. Jerusalem
1881 05. und 06. Juni Erstbegehung der Watzmann Ostwand mit dem Wiener Otto Schück
1888 übernahm Kederbacher die Bewirtschaftung des neuerbauten Watzmannhauses der Sektion München bis
1905, danach übernimmt sein Sohn Johann das Haus bis 1911.

Die Gemeinde Ramsau errichtete vor dem Rathaus Ramsau zum 100 Jubiläumsjahr der Erstdurchsteigung der Watzmann Ostwand am 05. Juni 1981 das erste Bergsteiger-Denkmal in Deutschland

(Quelle: Fritz Schmitt, Der Bergsteiger 1985, Archiv der Gemeinde Ramsau)

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